Glatt abgesägt

 

Artikel in der Augsburger Allgemeine vom 7. März 2016

http://www.augsburger-allgemeine.de/schwabmuenchen/Glatt-abgesaegt-id37161027.html


Im Quartier wird's lebendig

 

Leserbrief erschienen in der Stadtzeitung Bobingen am 24. Februar 2016

Sehr geehrter Herr Gruber, zu dem Artikel "Im Quartier wird's lebendig" auf S. 2 der Bobinger Stadtzeitung vom 10.2.2016 möchte ich folgenden Leserbrief schreiben: In dem Artikel werden unter anderem folgende Ziele des Städtebau-Förderprogramm, von dem die Bobinger Siedlung profitieren soll, genannt: "bessere Gestaltung des öffentlichen Raumes sowie von Straßen, Wohnhöfen, Spielplätzen und Grünbereichen".
 
Die Siedlung bedarf dringend einer solchen Aufwertung, und Ideen gäbe es hier sicher ganz viele! Doch stimmt mich ein Vorfall der jüngsten Zeit pessimistisch. Das Zentrum der Siedlung wird von Wohnblocks geprägt, die von weitläufigen Grünanlangen eingerahmt sind. Früher in genossenschaftlichem Besitz, wurden diese vor wenigen Jahren von einem Investor aufgekauft. Dieser hat vor ein paar Jahren schon den alten Baumbestand zwischen den Häusern südlich der Kirche fast völlig entfernt und diesen Januar den Kahlschlag auf den Anlagen nördlich des Wertachzentrums fortgesetzt - vermutlich um Kosten bei der Pflege des Geländes zu sparen. Dieser radikalen Aktion sind über 40 vierzigjährige Bäume von einem halben Meter Stammumfang zum Opfer gefallen - Schattenspender, Luftfilter, Lebensraum für Vögel und Insekten, Freude der Spaziergänger. Alle Mitbürger, mit denen ich gesprochen habe(auch alteingesessene Mieter der betroffenen Blöcke!), sind traurig und wütend. Die Siedlung ist damit, gelinde gesagt, nicht schöner geworden. Solange sich die Stadt Bobingen keine Baumschutzverordnung gibt, wird sie auch künftig solchen Aktionen von Einzelpersonen machtlos zusehen müssen und kann nur auf den guten Willen der Beteiligten hoffen. Mit freundlichen Grüßen Peter Roth

Endspurt der Ausstellung Landschaftswandel in Schwaben

 

Wer die Ausstellung „Landschaftswandel in Schwaben“, die der Bund Naturschutz im

Bobinger Rathaus seit Juni präsentiert, noch sehen will, muss sich beeilen; denn am

Nachmittag des 6. Oktober werden die Tafeln wieder abgebaut.

Die Fototafeln der Ausstellung dokumentieren anhand von Gegenüberstellungen

alter und neuer Aufnahmen, wie tiefgreifend sich das Landschaftsbild in unserer

Region in den letzten Jahrzehnten verändert hat, und laden den Betrachter zum

Nachdenken ein. Landwirtschaftliche Flächen wurden durch Gewerbegebiete,

Straßen und Siedlungen überbaut, mancherorts wurden auch neue Naturräume

geschaffen. Und diese Veränderung geht rasant weiter: Beispiel ist die BMW-

Ansiedlung in Kleinaitingen, der vierspurige Ausbau der B 300 bis Aichach oder die

Planungen für eine Ostumfahrung von Königsbrunn.

Am Beispiel unserer Heimat wird so ein globales Problem sichtbar: Weltweit

verschwinden in alarmierendem Tempo fruchtbare Böden. Die Verfasser einer

kürzlich veröffentlichten Studie der Initiative Economics of Land Degradation, an der

die Vereinten Nationen, die EU sowie das Bundesministerium für wirtschaftliche

Entwicklung und Zusammenarbeit beteiligt sind, rechnen damit, dass in den

kommenden zehn Jahren 50 Millionen Menschen zur Flucht aus ihrer Heimat

gezwungen sein werden, weil sie nicht mehr genug Nahrung anbauen können.

Intakte Böden sind nicht nur für die Erzeugung von Lebensmitteln nötig; wir brauchen

sie auch, um Wasser zu speichern und durch Bindung von Kohlenstoff

Treibhausgase zu reduzieren. Die fruchtbaren Böden hierzulande sind ein Geschenk

der letzten Eiszeit. Obwohl diese Ressource begrenzt ist, wird in Deutschland jeden

Tag eine Bodenfläche zur Bebauung freigegeben, die der Größe von mehr

als 100 Fußballfeldern entspricht. In Bayern kämpft der Bund Naturschutz derzeit mit der

Petition „Bayerns Schönheit bewahren“ gegen Bestrebungen des Heimat- und

Wirtschaftsministeriums, den Bau von Gewerbegebieten auch in freier Landschaft zu

ermöglichen.

 

Der Bund Naturschutz in Bobingen erhofft sich, dass die gezeigte Ausstellung einen Anstoß

zu einem verantwortlichen und nachhaltigen Umgang mit den Flächen unserer Heimat

anstößt.

Peter Roth, Schriftführer BN Bobingen

 


Mehr Tempo beim Atomausstieg!

Mehr Tempo beim Atomausstieg!" lautet die Botschaft, die Bobinger Bürger am Montagabend an die derzeit um Wählerstimmen werbenden Parteien sandten. Nach dem Beschluss des Bundestags werden die Reaktoren in Gundremmingen noch 4 bzw. 8 Jahre Strom produzieren. Deren Betreiber haben beim bayerischen Umweltministerium sogar eine Leistungserhöhung beantragt, gegen die sich Umweltschützer mit einer Petition wehren.

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Bildquelle: BN-Bobingen


Reaktion auf das unten stehenden Statement am 03.03.2012 im Lokalteil der Augsburger Allgemeinen erschienen

"Für den Naturschutz: Alle Bäume weg"  Link zum Zeitungsartikel

Wir sind auf das Gespräch gespannt!

 

Wut und Unverständnis

 

Wut und Unverständnis über die Baumfällaktion der Stadt im Baugebiet Greifstr./ Hochfeldstraße.

Überrascht und entsetzt war der Bund Naturschutz in Bobingen, als er zur Kenntnis nehmen musste, dass in dem neuen Baugebiet Greifstr./Hochfeldstraße sämtliche Bäume gefällt wurden.

In einem ersten Bebauungsplan war vorgesehen, dass alle Bäume, die für die Erschließung und Bebauung nicht entfernt werden müssten, erhalten bleiben sollten. Nun wurden die Pläne geändert, und noch bevor die neuen ausgelegt waren und bevor die geänderten Planungen im Bauausschuss zur Abstimmung vorlagen, wurden sämtliche Großbäume auf dem gesamten Baugebiet abgeholzt. Der Evangelischen Kirche als Nachbar wurde sogar noch nahegelegt, einen grenznahen Baum auf ihrem eigenen Grundstück zu fällen. In der Ausschreibung nach Interessenten wurde ausdrücklich nach Grundstückswerbern gesucht, die hohe Bäume in der Nachbarschaft akzeptieren und erhalten wollen.

Im Diskussionsprozess, in den auch die Evangelische Kirchengemeinde einbezogen war, wurde dies im Bauausschuss bestätigt und festgelegt, dass in einer Umplanung der Erhalt sowohl der grenznahen Bäume (Verlegung des Spielplatzes, Beschattung...) als auch anderer Bäume gesichert wird.

Wir vom Bund Naturschutz waren darüber zuerst sehr erfreut und sahen es als ein gutes Zeichen für funktionierende Bürgerbeteiligung an, gerade auch im Hinblick auf das damals schwelende Stuttgart 21-Problem. Jetzt aber fühlen wir uns getäuscht!

Die Umplanung lag noch nicht zur Stellungnahme vor, ein Stadtratsbeschluss hierüber existiert nicht. Und trotzdem wurden - ohne Vorankündigung, handstreichartig, alle Großbäume gefällt.

Wieso und in wessen Verantwortung wurden Tatsachen geschaffen, bevor im Stadtrat Entscheidungen getroffen werden? War die Baumfällung rechtens? Der Stadtrat wird diese Frage aufgebrachten Bürgern beantworten müssen!

Die aktive und wirksame Bürgerbeteiligung an so einer wichtigen, das Stadtgrün betreffenden Maßnahme ist grob missachtet worden. Das ist kein nachhaltiges Agieren.

Mit größtem Interesse werden dies auch die Bauwerber verfolgen, die in der Vergangenheit spürbare Auflagen in Bezug auf den Erhalt des Baumbestandes bekommen haben, siehe Koloniestr. Sollte das Vorgehen der Stadt Vorbild für private Bauwerber sein – zuerst fällen und dann zur Abstimmung vorlegen?

Mich erreichten einige Anrufe besorgter Bürger, die sich erkundigten, ob bei der Erschließung und Bebauung größtmögliche Rücksicht auf den alten Baumbestand genommen werde. Im Vertrauen auf die erste Planung beruhigte ich die Anrufer und versicherte, dass dies beachtet würde.

Die Stadt präsentiert sich mit Recht in ihren öffentlichen Auftritten gerne als kommunikationsbereit in den Bereichen Soziale Stadt, Agenda 21, Stadtentwicklung und anderen Bereichen. Es hat sich einiges positiv entwickelt. Und dann dies nicht legalisierte und nicht zu rechtfertigende Abholzaktion!

Ein Affront! Das war kein guter Stil und passt nicht zum propagierten Umgang mit den Bürgern und der Öffentlichkeit. Wir fühlen uns vor den Kopf gestoßen und werden künftig in ähnlichen Fällen besorgte Mitbürger, die beim BN nachfragen, nicht mehr im Vertrauen auf einen geordneten Ablauf beruhigen können. Eher scheint es uns angebracht – im begründeten Misstrauen - die Leute dazu zu ermuntern, für ihre berechtigten Anliegen öffentlich und laut einzutreten.

Ottmar Vellinger

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In redigierter Form veröffentlicht in der Schwabmünchner Allgemeinen am 08.02.2002

Gemeinsame Presseerklärung der Ortsgruppen Bobingen und der Kreisgruppe Augsburg zum Projekt eines zweiten Anschlusses Bobingens an die B17

Bezug:

  • Schwabmünchner Allgemeine vom 29.01.2002: "Bobingen hält fest an zweitem B17-Anschluss"
  • Schwabmünchner Allgemeine vom 02.02.2002: "B17: SPD bringt BMW-Idee in Fahrt"/"CSU tritt auf Bremse ..."

Nach den obigen Presseberichten beabsichtigt der Erste Bürgermeister der Stadt Bobingen, Herr Bernd Müller, unterstützt von der Stadtratsfraktion der SPD, bis zum Jahr 2004 einen zweiten Anschluß Bobingens an die B17 im Nordosten des Stadtgebiets herzustellen. Für erste Planungen und den nötigen Grunderwerb sind in dem für das Jahr 2002 vorgelegten Haushaltsplan bereits 225.000 € reserviert.

Der Bund Naturschutz zeigt sich durch diese Meldungen in höchstem Maße alarmiert und lehnt aus naturschutzfachlichen und verkehrspolitischen Gründen dieses Vorhaben kompromißlos und mit aller Entschiedenheit ab.

  • Der Bau der etwa 1 km langen Zubringerstraße würde das Hochfeld innerhalb einer Distanz von nur 3 Kilometern ein drittes Mal in west-östlicher Richtung zerschneiden und in erheblichem Maß landwirtschaftlich hochwertige Böden vernichten. Wir müssen von der Politik des bedenkenlosen Flächenverbrauchs wegkommen, wenn wir die Lebensgrundlagen zukünftiger Generationen erhalten wollen.

  • Das geplante Projekt war in der Vergangenheit lediglich im Zusammenhang mit der Ansiedlung eines industriellen Großbetriebs wie BMW für sinnvoll erachtet worden. Derzeit aber besteht kein Bedarf, der den Aufwand für eine neue Straße rechtfertigen könnte. Die vorhandene Verkehrserschließung ist sowohl für den privaten als auch für den gewerblichen Verkehr mehr als ausreichend. Schon jetzt kann man aus dem Bobinger Norden bequem ohne weitere Ortsdurchfahrt über die Anschlußstelle Inningen auf die B17 gelangen. Überdies würde ein zusätzlicher Kreisel den Verkehrsfluß auf der Nordostspange verlangsamen und somit deren Attraktivität senken.

  • Geradezu schockiert sind wir davon, daß einige der örtlichen Politiker für die Zukunft fest mit der Realisierung der Westumfahrung zu rechnen scheinen. Wir sind davon ausgegangen, daß dieses von der CSU favorisierte Projekt, das schwerste landschaftliche Eingriffe bedeuten würde, endgültig fallengelassen worden sei, als mit dem erklärten Bürgerwillen der Bau der Nordostspange beschlossen wurde. Dies war damals bekanntlich auch die Auffassung der SPD, die nun vermutlich aus taktischen Gründen aufgegeben scheint. Es steht zu befürchten, daß die jetzt diskutierte Baumaßnahme den zweiten Schritt nach sich ziehen wird, der den Wiesengrund zwischen Singold und Wertach und damit eine wichtige Naherholungsfläche unwiederbringlich zerstören würde.

  • Im Zusammenhang der Debatte wurde "in der Wahrung dieser Gelegenheit eine Verpflichtung gegenüber späteren Generationen" gesehen. Wir wissen nicht, welche Bedingungen in dreißig Jahren herrschen werden; aber wer meint, daß es so weiter gehe wie heute, der glaubt angesichts der endlichen Energievorräte an Wunder. Unsere Kinder und Enkel werden uns mit Sicherheit nicht vorwerfen, daß wir ihnen zuwenig Straßen gebaut hätten. Sie werden uns vielmehr fragen, warum wir ihnen sowenig Naturräume und Rohstoffe übriggelassen haben.

  • Wie jüngst ebenfalls der Presse zu entnehmen war, ist die Pro-Kopf-Verschuldung der Stadt Bobingen beträchtlich gestiegen. Mit der vordringlichen Neugestaltung der Ortsdurchfahrt kommen hohe Ausgaben auf die Stadt zu. Dieses Vorhaben ist für uns eine wirkliche Zukunftsinvestition. Dagegen bedeutet ein Straßenbau im noch verkehrsleeren Raum, lediglich in Hinblick auf eine gewünschte, aber keineswegs voraussagbare spätere Gewerbeansiedlung, eine unverantwortliche Verschwendung von Steuergeldern.

Die aktuelle Debatte zeigt in erschreckender Weise, wie sich in Bobingen eine inzwischen überwunden geglaubte Konzeptlosigkeit in der Verkehrspolitik von neuem artikuliert. Oder gab es immer schon eine Option für den Anschluß (und die Westumgehung), die man nach dem drohenden Bürgerbegehren nicht öffentlich machen wollte? Wurden die Arbeitskreise der Agenda 21 in die jetzt verkündeten Planungen eingebunden? Immerhin müssen wir dafür dankbar sein, daß die Diskussion noch vor den Wahlen begonnen worden ist. Manchem sind dadurch vielleicht rechtzeitig die Augen geöffnet worden. Unterziehen wir also die Kandidaten aller Parteien einem Öko-Test und geben wir unsere Stimme zukunftsfähigen Bewerbern, für die Naturschutz und Ökologie in der Stadtentwicklung Vorrang haben!


Bobinger Stadtbote, Dezember 2001

Bio ist besser! Ist Bio besser?

Großes Interesse fand ein Vortrag zum Thema Agrarwende, zu dem der Bund Naturschutz Bobingen am 24. Oktober auf den Biolandhof Kugelmann eingeladen hatte. Nicht nur Verbraucher, sondern auch etliche Landwirte folgten im vollbesetzten Brotzeitstüble den sehr kompetenten Ausführungen des aus Landshut angereisten Referenten Johannes Enzler, der an der dortigen Fachschule für Agrarwirtschaft die Abteilung für ökologischen Landbau leitet.

Die Krise der Landwirtschaft sah Enzler als eine gesamtgesellschaftliche Krise an. Unser Konsumverhalten, das sich an niedrigen Preisen für Lebensmittel ausrichte, drücke eine niedrige Wertschätzung für Nahrung und die Arbeit der Nahrungserzeuger aus. Für Lebensmittel würden derzeit durchschnittlich nur 13,7% des Einkommens ausgegeben, und trotzdem renne man noch jedem Pfennig hinterher. Unsere Ernährung werde in steigendem Maß von entwerteten Lebensmittel wie H-Milch und Tiefkühlfertigprodukten geprägt. Seit Jahren sei ein rapider Rückgang der landwirtschaftlichen Betriebe festzustellen; zugleich aber wachse die Größe der verbleibenden. Transportwege spielen keine Rolle mehr. Kaum jemand mache sich klar, daß für den Import von einem Kilo Erdbeeren aus Palästina 1 Liter Kerosin verbraucht würden. Daß nicht einmal die größten Betriebe in Deutschland global konkurrenzfähig sein könnten, zeigte Enzler drastisch anhand einiger Zahlenbeispiele. So gebe es in Amerika Farmen mit 370 000 Zuchtsauen oder Mastbetriebe mit 70 100 Schlachtungen täglich.

Enzler beklagte unter großer Zustimmung des Publikums einen Rückgang von Ernährungsaufklärung an den Schulen und die wachsende Entfremdung der Kinder von der landwirtschaftlichen Produktion. Verheerend sei die negative Berichterstattung der Medien, die meist nur schlagzeilenträchtige Skandalen hinterherjagten oder allzu bereitwillig profilierungssüchtigen Politikern ein Podium zum Schlagabtausch böten. Von positiven Entwicklungen sei wenig bis nichts zu erfahren.

BSE und MKS hätten im Jahr 2001 zu einem starken Zuwachs der Nachfrage nach Öko-Produkten geführt. Im Frühjahr habe es viele Umstellungsberatungen gegeben doch relativ wenige Betriebe hätten den Schritt zum Öko-Landwirt vollzogen. In diesem Bereich gebe es aufgrund der EU-Verordnung inzwischen eine lückenlose Erzeugungskontrolle, also tatsächlich eine gläserne Produktion.

Nach dieser ernüchternden Analyse zeigte Enzler künftige Perspektiven auf. Die Verzahnung von Landwirten und Verbrauchern müsse wieder enger werden. Wichtig sei nicht nur eine ökologische Produktion, sondern auch die regionale Vermarktung. Öko-Produktion sei umweltgerecht, diene durch die geringeren Erträge der Marktregulierung, ermögliche einen weitgehend geschlossenen Betriebskreislauf, biete einer weit größeren Vielfalt von Pflanzen- und Tierarten Raum und belaste den Boden mit weniger Rückständen. Entgegen manchen Behauptungen seien Öko-Produkte erwiesenermaßen weniger mit Rückständen von Pestiziden und Nitrat belastet als konventionell erzeugte Lebensmittel. Falsch sei auch die Unterstellung einer höheren Pilzbelastung von Öko-Getreide; tatsächlich sei diese eher niedriger.

Gefahr drohe dem Öko-Bereich von daher, daß aufgrund fehlender Vermarktungsmöglichkeiten in der Nähe oder höherer Nachfrage woanders die Transportwege länger würden und der direkte Bezug von Bauern und Verbrauchern verloren gehe. Das sei auch das Problem der Supermärkte, die auch Öko-Ware in ihrem Sortiment führten. Diese könnten beim jeweils billigsten Anbieter einkaufen, sei er auch noch so weit entfernt, da sie auf ihr vorhandenes Transportsystem zurückgreifen könnten. Es sei zu befürchten, daß künftig auch die ökologischen Betriebe sich die Preise von den großen Handelsketten diktieren lassen müssen und so in die gleichen Zwänge gerieten, die sich heute für die Landwirtschaft so katastrophal auswirkten.

In der anschließenden Diskussion äußerten einige der anwesenden Landwirte eine große Aufgeschlossenheit für die ökologische Wirtschaftsweise. Allerdings müsse das Förderungssystem noch besser werden, es müsse mehr Planungssicherheit geben. Kritisiert wurde auch eine teils unsinnige Gängelung durch Landwirtschaftsämter und gesetzliche Bestimmungen. So würden viele Bauern lieber Klee anbauen, könnten es sich aber nicht leisten, auf die hohen Förderprämien für Mais zu verzichten.

Peter Roth


Schwabmünchner Allgemeine, Dezember 2001
Bobinger Stadtzeitung, Dezember 2001

Die Ortsgruppe des Bund Naturschutz hat Nachwuchs!

Am 20 Oktober kamen 39 Kinder zwischen 5 und 13 Jahren ins Jugendzentrum in Bobingen, um in den 3 neu gegründeten Jugendgruppen einen Platz zu bekommen. Exakt 60 Anmeldungen liegen derzeit vor. Die Gruppen finden im 3-Wochenrhythmus Platz im Jugendzentrum, sicherlich eine Übergangslösung, bis im Anbau der evangelischen Kirche ausreichend Räumlichkeiten zur Verfügung stehen werden. Nach bald 7-jähriger Jugendarbeit im Rahmen von Aktionstagen hat sowohl die starke Nachfrage wie auch die große Altersspanne nach einer Lösung in Form fester Jugendgruppen gedrängt. Viele intensive Gespräche waren notwendig, bis sich aus der starken Gruppe freiwilliger Helfer verantwortliche Leitungsteams heraus gebildet haben.

Die Jüngeren zwischen 5 und 8/9 Jahren gaben sich den bezeichnenden Namen "Die Rasselmäuse". Die Leitung von derzeit 20 "Mäusen" obliegt Gina Hausmann, die tatkräftig unterstützt wird von Helfern wie Regina Schießler, Sigrun Riedlinger u. a.

Zu den Großen drängten unerwartet viele junge Naturschützer, so dass statt einer nun zwei Jugendgruppen den Keller im Jugendzentrum mit Leben füllen. Die Großen ab der 5. Klasse wählten wohl überlegt als Leitbild "Die Silberwölfe", geleitet von dem Bild des Wolfes als Rudeltier, dessen Stärke auf dem Zusammenspiel in der Gruppe basiert. Als "Leitwolf" übernimmt Veronika Schwarzenberger das "Rudel", unterstützt u. a. von Marlies Egger und Birgit Baur. Die "Wolfswelpen" werden geführt von Karin Goßner, tatkräftig unterstützt von Corinna Oßwald sowie zwei Jugendlichen, Jennifer Rieger und Johanna Schwarzenberger.

Der Ideenbaum, an dem die jungen Naturschützer ihre Wünsche über künftige Aktivitäten und Unternehmungen in Form von Blättern anbringen können, sprießt zusehends: Eine Winterwanderung im Wald, Spurensuche im Wald, mit Kescher und Becherlupe einen Teich erforschen, mit Ton arbeiten, wieder zur Alpe Sonnhalde wandern, Sterne beobachten u v. m.

Die Ideen gehen uns sicherlich nicht aus! Auch das eine oder andere Angebot von Elternseite, bei Bedarf die Gruppenarbeit zu unterstützen, macht den Betreuern Mut. Die Silberwölfe samt Welpen sowie die Rasselmäuse jedenfalls fiebern einem Erlebnis reichen Jahr entgegen.

Wer gerne in einer Jugendgruppe mitmachen möchte – derzeit sind lediglich bei den Rasselmäusen noch wenige Plätze frei – ruft an bei Veronika Schwarzenberger, Tel. 964848. Wir freuen uns auch über Anregungen und Unterstützung jeder Art.

Veronika Schwarzenberger


Schwabmünchner Allgemeine, Oktober 2001

Süße Früchtchen und selbst gemachter Apfelsaft

Die Früchte des Sommers durften Kinder zwischen 6 und 12 Jahren ernten, verarbeiten und natürlich genießen, als Mitte September an einem Samstagvormittag 18 Kinder rund 35 Kilogramm Beerenfrüchte zu Marmeladen, Fruchtquark, Erdbeerkuchen und Milchmixgetränken mit Vanilleeis veredelt haben. Bei selbst gebackenen Waffeln und Brombeer-Holunder-Schake mit Eis und Sahne kommentierten hartnäckige Obstverächter das Ergebnis mit: "Einfach beerig!"

Mit Flugobjekten besonderer Art wie "Streuobst-Flugobst-Fallobst" machten 14 Tage später 20 Kinder Bekanntschaft. Die sichere Bestimmung von Fallobst bereitete den meisten keine Probleme, während Flugobst sich in der Fantasie wohl mit Flügeln am ehesten darstellen l.ieße. Wenn dann allerdings der Weg eines Apfels aus Neuseeland oder Argentinien auf dem Globus mit dem Finger nachvollzogen wird im Unterschied zu Äpfeln aus Südtirol, dem Bodenseegebiet oder gar aus Bobingen, so bedarf der seltsame Begriff keiner weiteren Erklärung. Einleuchtend lassen sich auch die unterschiedlichen Anbaubedingungen auf einer Plantage zu denen in einem Streuobstgarten und die damit verbundenen Auswirkungen auf die Umwelt nachvollziehen. Streuobst als eine Form des Obstanbaus mit Mehrfachnutzung ist in unserer Region inzwischen selten geworden. Der große, alte Obstgarten der Familie Langenmayer in der Tutzinger Straße bot hierfür ein ideales Erfahrungsfeld die künftigen Süßmosttrinker. Neben Obst bietet eineStreuobstwiese Lebensraum für zahllose Tiere, die Becherlupen begutachtet werden konnten. Auch ein Geschmackstest im Blindversuch ergab eindeutig: Reiner Fruchtsaft unterscheidet sich wesentlich von verdünnten und gesüßten Getränken.

Dank der Bereitschaft mehrerer Gartenbesitzer sammelten die Kinder mit großem Einsatz 15 Zentner Äpfel, die in der Mosterei im Wasserturm mit Feuereifer zu Saft verarbeitet wurden, wovon jedes Kind 15 Liter naturtrüben Saft aus Streuobstbeständen mit nach Hause nehmen konnte. Der Obst- und Gartenbauverein darf zu Recht auf Nachwuchs für die Mosterei hoffen, die Gartenbesitzer, die die Aktion unterstützt haben, können gewiß sein, den Grundstock für überzeugte Naturschützer und Mosttrinker gelegt zu haben.

Veronika Schwarzenberger


Schwabmünchner Allgemeine, September 2001
Bobinger Stadtzeitung, September 2001

Gemeinsame Stellungnahme der Ortsgruppe Bobingen und der Kreisgruppe Augsburg zum geplanten Bergrennen in den Stauden

Nach Presseberichten (Schwabmünchner Allgemeine vom 4.7.01; Bobinger Stadtzeitung vom 11.7.01) liegen alle amtlichen Genehmigungen vor, die am 6. und 7. Oktober nach sechzehnjähriger Pause wieder ein Bergrennen bei Mickhausen ermöglichen.

Die Ortsgruppe Bobingen des Bund Naturschutzes sieht sich, unterstützt von der Kreisgruppe Augsburg, nicht zuletzt wegen der völlig unkritischen Berichterstattung der verantwortlichen Sportredakteure, zu folgender Erklärung veranlaßt:

  • Wir können diese Autorennveranstaltung auf keinen Fall gutheißen. Es sind nicht so sehr die an den Veranstaltungstagen zu erwartenden Lärm- und Abgasemissionen, sondern vor allem prinzipielle Gründe, die uns bewegen, unsere entschiedene Ablehnung an die Öffentlichkeit zu tragen.
  • Motorsport ist nach unserer Ansicht nicht mehr zeitgemäß. Er steht in krassem Widerspruch zu der heute von der Gesellschaft akzeptierten Notwendigkeit zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Energie und der Verpflichtung zum Klimaschutz. Daher nehmen wir mit Befremden zur Kenntnis, daß unsere lokalen Bürgermeister, die sich sonst gerne das Motto "Global denken – lokal handeln" an die Fahnen heften, die Veranstaltung unterstützen, und Landrat Dr. Vogele sie sogar zur "Chefsache" macht.
  • Der ADAC, der dem Rennen seinen Namen leiht, gehört zu den großen Kritikern der Ökosteuer. Daß aber dort, wo nur zum Spaß gerast wird, offenbar keinem der teilnehmenden Fahrer der Spritpreis zu hoch erscheint, zeigt die Unehrlichkeit, mit der sonst gegen eine sinnvolle Energieverteuerung Stimmung gemacht wird.
  • Die Staudenregion sollte es nicht nötig haben, auf diese Weise für sich zu werben. Wer hierher als Urlauber kommt, weiß, was er an dieser Gegend schätzt: Ruhe und eine weitgehend intakte Natur- und Bauernlandschaft. Wer glaubt, der Name "Stauden" werde mit dem Aushängeschild Autorennen touristisch an Attraktivität gewinnen, ist gründlich auf dem Holzweg. Event- und Fun-Touristen wissen lohnendere Ziele.
  • Zuletzt unser ernstestes Argument: Die kurvenreichen, bergigen und unübersichtlichen Straßen der Stauden werden immer wieder zum Schauplatz schrecklicher Unfälle. Nun wird öffentlich mit bis zu 700 PS starken Boliden demonstriert, daß man mit entsprechendem Können auf diesen Strecken Tempo 180 erzielen kann. Wir fragen die Initiatoren, ob sie es wirklich verantworten wollen und können, jungen, wenig erfahrenen Zuschauern ein derartiges Vorbild zu geben.
  • Leider konnten weder die Behörden den Wahnsinn unterbinden, noch werden wir dazu in der Lage sein. Wir fragen jedoch die Sponsoren der Veranstaltung, ob sie wirklich keine vernünftigere Verwendung für ihr Geld wissen. An die Bevölkerung appellieren wir: Gehen Sie nicht hin!

Bund Naturschutz Ortsgruppe Bobingen und Kreisgruppe Augsburg


Bobinger Stadtzeitung, August 2001

Auf der Alpe Sonnhalde
in Rahmen des Bobinger Ferienprogramms vom 13.08.2001 – 15.08.2001

Mit Ziegen und Wollschweinen den Tag beginnen

Frei nach dem Lummerlandlied "für 3 Tage in die Berge und hinab zum Wasserfall" waren 27 Kinder mit Betreuern zu Gast auf der Alpe Sonnhalde bei Oberstaufen. Die Seele der Alpe, der Kohler Jakl, ließ seine Gäste von der Bund Naturschutz Ortsgruppe Bobingen Teil haben am täglichen Leben eines Senners, der seinen Lebensrhythmus gänzlich der Sonne, den Tieren und den Bergen angepaßt hat.

Der Zug brachte die Rucksack bepackte Gruppe nach Oberstaufen. Mit guter Laune und Platzspartechnik meisterten die Kinder die Herausforderung frei nach den bekannten Rechenübungen "Wenn 3 Fahrräder und 5 Fahrgäste den Zug verlassen und 10 Reisende zusteigen...."

Ab der Bushaltestelle Lanzenbachsäge wanderte die Gruppe erwartungsvoll zur Alpe Sonnhalde hoch, wo der Jakl warmherzig seine kleinen Weggefährten begrüßte. Zur Alpe, die nach Demeterrichtlinien bewirtschaftet wird, gehören nebst 2 Praktikanten, Neffen und Nichten u. a. der Esel Janosch, 5 Kühe, einige Kälbchen, ca. 20 Ziegen, 6 Wollschweine, Hühner und Warzenenten sowie 59 ha Bergwiesen und –wald. Klares Wasser für Mensch und Tier spendet der Berg, Strom – sehr sparsam und gezielt eingesetzt – kommt von der Sonne. Eine Pflanzenkläranlage reinigt die Abwässer, der Bewohner und Ausflugsgäste, die offensichtlich die sehr persönliche Atmosphäre auf der Alpe zu schätzen wissen.

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Teils im Heu über dem Ziegenstall, teils im Matratzenlager einquartiert, paßte sich der Tag-/Nachtrhythmus der Kinder unausweichlich dem Leben der Tiere an, die um 5.30 Uhr mit lautem Glockengebimmel von der Weide zum Melken kamen. Die Spezies der Ziegen allerdings findet derzeit die Kräuter auf Nachbars Weide attraktiver, was den Praktikantinnen erhebliche Laufkondition abfordert. Die Wollschweine – ähnlich Wildschweinen mit dichtem Borstenkleid – fordern unterdessen laut grunzend und quickend ihr Molkefrühstück. Jeder durfte sich beim Melken der Ziegen erproben – ob´s allerdings zum Frühstück gereicht hätte? Was vor wenigen Tagen noch Igitt-Rufe ausgelöst hätte, gleicht heute Heldentaten:

Wollschweine ausmisten, Ziegenmilch direkt vom Euter trinken, beim Geländespiel auch mal im Kuhfladen landen. Gerüche egalisieren sich, nach 3 Tagen riechen alle gleich!

Eine Wanderung nach Steibis mit anschließender Käsebrotzeit führte auf dem Rückweg zu den Wasserfällen der Weißach. Selbst knackige Bergwassertemperaturen steckten Peter und

im Gefolge wahrlich unerschrockene Kinder beim Bad im eisigen Naß weg. Die Sonne trocknete auf dem Heimweg sämtliche nassen Hosen, während die Wanderer neue Maßeinheiten für Wegstrecken entwickelten: die Sehnsucht nach kühlem Naß in Relation zur Entfernung bis zum nächsten Bachbett.

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Am Lagerfeuer konnten sich alle von den Strapazen erholen, während Feuertopf und Popcorn am Dreifuß über dem Feuer brutzelten. Die Kuh Lilli – der vermeintliche Stier mit dem Nasenring – stiftete dabei so manche Verwirrung, wenn sie mal eine Rucksack davontrug, ein Halstuch verschlang, sich klammheimlich in die Lagerfeuerrunde einreihte u. a. m.

Ein traumhafter Sternenhimmel spannte seinen Schirm über glänzende und müde Augen. Beim abschließenden Spiel Adler/Murmeltier waren die Kommentare und Wünsche der Kinder eindeutig: am Besten gefallen haben die Tiere, allen voran der Esel Janosch, die Wollschweine dürften wohl eine Stunde später grunzen und für nächstes Jahr sollten wir 2 Wochen einplanen, mindestens!

Veronika Schwarzenberger


Schwabmünchner Allgemeine, August 2001

Tiffany – Kunst kommt von Können

Spieglein, Spieglein an der Wand ... oder auch nach dem Motto" Ist noch jemand ohne Pflaster?" kreierten in 2 Kursen jeweils vier junge Damen Spiegel in Tiffany-Art. Auf Einladung des Bund Naturschutz unterwies der Hobbykünstlers Herr Bolz aus der Nachbargemeinde Oberottmarshausen die angehenden Kunsthandwerker in der Handhabung von Glasschneider, Schleifmaschine und Lötkolben. Schnell verloren die jungen Damen jegliche Scheu vor der Technik und für alle Fälle lag Pflaster am laufenden Meter bereit. Herr Rektor Blümlhuber hatte freundlicherweise den Werkraum der Grundschule an der Singold für diese Aktion zur Verfügung gestellt.

Das Strahlen der stolzen Künstler und die hervorragenden Unikate sprechen für sich. Bleibt zu hoffen, daß Herr Bolz auch im nächsten Sommer das Angebot im Ferienprogramm der Stadt Bobingen bereichern wird.

Veronika Schwarzenberger